“Flucht und Asyl in Balinea”- eine Simulation: Videodoku& Bericht des politischen Seminares 2016

11. August 2016 von  
Eingestellt unter der Rubrik Allgemein

Die Doku über unsere Simulation zum Thema “Flucht und Asyl in Balinea” des politischen Seminares unseres Referates Freiwilligendienste, an dem über 100 Freiwillige und Mitarbeiter*innen teilnahmen ist nun auf unserem Youtube-Kanal zu finden!

“Balinea ist ein fiktives Land in der fiktiven Nordafrikanischen Union. Auf Grund von Unwetter, Zerstörung, Armut und Ausschreitungen in einigen Ländern Europas, treten viele Menschen die Flucht übers Meer nach Balinea an.
Dort versuchen sie ein Aufenthaltsrecht zu bekommen, suchen Arbeit und wollen ein neues Leben beginnen.
Im Politischen Ausschuss Balineas wird derweil über das Asylpaket II abgestimmt…”

Die Simulation “Flucht und Asyl in Balinea” fand 2016 während des Seminars zur politischen Bildung im Rahmen der Freiwilligendienste in Kooperation mit dem Referat für politische Bildung des BDKJ Fulda statt. Die Asylgesetzgebung Balineas gleicht dem deutschen Asylgesetz sowie der Asyl-, und Flüchtlingspolitik der EU.

Eine unserer Freiwilligen Leonie Stenger berichtet von ihren dort gemachten Erfahrungen:

“Ich beschäftige mich eigentlich erst seit meinem Freiwilligendienst so richtig mit dem Thema Flucht und Asyl. Davor habe ich natürlich ab und an durch die Nachrichten etwas mitbekommen, aber so richtig kam das erst, als ich den ersten Kontakt zu Geflüchteten hatte. Das war in meiner Einsatzstelle durch welche ich einmal die Woche in Flüchtlingsunterkünfte fahre um dort die Kinder und Jugendlichen zu „bespaßen”. Das erste Mal bin ich mit gemischten Gefühlen dorthin gefahren, auch wegen kleineren Warnungen von Menschen in meinem Umfeld wie: “Pass aber auf dich auf, wenn du in die Flüchtlingsheime fährst” und den negativ geprägten Nachrichten. Nach den ersten fünf Minuten war mir aber klar: Ich brauche nicht vorsichtig sein oder mir Gedanken machen. Ich traf auf ganz normale Kinder, die sich freuten, dass jemand mit ihnen Fußball spielt oder etwas anderes macht. Auch die Erwachsenen nahmen mit mir Kontakt auf. Ab dem Zeitpunkt habe ich Neuigkeiten um die Flüchtlingsdebatte intensiver verfolgt und mich in Gesprächen über das Thema immer wieder dafür eingesetzt, dass sich das Bild über Flüchtlinge in den Köpfen der Menschen verbessert. Noch nie konnte ich nachvollziehen wenn Menschen mir weis machen wollten, dass Geflüchtete Verbrecher*innen seien oder, dass sie Deutschland nur ausnehmen wollen.
Auch auf unserer Seminarwoche in Bad Hersfeld zum Thema Flucht und Asyl startete ich mit meiner positiven Einstellung gegenüber den Geflüchteten.
Ziemlich interessant fand ich die Simulation die wir an einem der Seminartage durchlaufen haben. Ich übernahm hierbei die Rolle einer Politikerin. Ich muss sagen, dass ich oft das Gefühl hatte, dass die Politiker*innen überfordert sind und auch keine wirkliche Ahnung davon haben, wie man an die Problematiken, die durch den Flüchtlingszustrom entstehen, herangehen soll. Genauso habe ich mich in meiner Rolle auch gefühlt. Es gab viel Unwissenheit und irgendwie wusste keine*r so wirklich was zu tun war. Während der politischen Diskussionen hatte ich oft das Gefühl, dass die verschiedenen „Parteien” aneinander vorbei redeten und letztendlich dann doch nicht auf einen Nenner kamen. Uns „Politiker*innen” wurde der Tipp gegeben, dass wir uns einen Einblick in die Situation außerhalb des „Sitzungssaals” verschaffen sollen, doch dafür war kaum Zeit bei all den Dingen die wir besprechen mussten. Ich sehe auch darin ein großes Problem mit dem unsere „echten” Politiker*innen zu kämpfen haben. Sie sollen über Dinge entscheiden über die die meisten gerade Mal in der Theorie Bescheid wissen. Zeit um ein Flüchtlingsunterkunft zu besuchen und aktiv mit Bürger*innen ins Gespräch zu kommen ist da nicht.
IMG_2249Andere Rollen wie z.B. der Grenzschutz, das Hohe Gericht und auch die Geflüchteten empfanden die Simulation ebenfalls als sehr realistisch. Die Geflüchteten warteten sehr lange darauf, dass die Asylanträge bewilligt oder abgelehnt wurden und das Hohe Gericht war unterbesetzt und überfordert. Ohne die Hilfe von ProAsyl hätten die Geflüchteten nicht einmal ihre Formulare ausfüllen können, denn selbst die Mitarbeiter*innen von ProAsyl hatten mit der Beamtensprache in den Formularen zu kämpfen.
Im weiteren Verlauf der Seminarwoche habe ich mich mit dem Thema ehrenamtliches Engagement beschäftigt. Mit Hilfe einer Geschichte begaben auch wir uns auf den langen Weg den viele Geflüchete hinter sich haben. Am Anfang durften wir sieben Gegenstände mitnehmen. Über Geld und Pässe fanden sich auch oft Dinge wie Familienfotos oder das geliebte Kuscheltier im Gepäck. Am Ende standen die meisten von uns ohne alles da. Diese Geschichte hat mich sehr zum Nachdenken gebracht und mir nochmal verdeutlicht, was für eine „Reise” jede*r Geflüchete*r auf sich nimmt.
Nachdem wir uns noch damit beschäftigt haben, wo überall ehrenamtliches Engagement benötigt wird haben wir uns Gedanken darüber gemacht, wie wir den nächsten Tag gestalten, an dem wir in eine Flüchtlingunterkunft in Bad Hersfeld fuhren um dort den Menschen einen abwechslungsreichen Tag zu schenken.
Die Menschen im in der Flüchtlingsunterkunft haben sich sehr über unseren Besuch gefreut. Neben Spielgeräten wie Pedalos, Diabolos, Schwungtuch und Slackline, hatten wir auch Kuchen und Getränke dabei, sowie eine Musikanlage. Nach einiger Zeit spielten die Bewohner*innen der Unterkunft ihre eigene Musik aus der Heimat und fingen an dazu traditionell zu tanzen. Sie luden dazu ein einfach mitzumachen und brachten uns einen der Tänze bei. Im Anschluss versuchten sich die Bewohner*innen unter unserer Anleitung an einem Disco Fox. Das war für mich ein echtes Highlight der Woche!
Es war ein herzliches Miteinander und für jeden war etwas dabei. Diese Erfahrung hat sicherlich nicht nur mir, sondern auch anderen FSJler*innen gezeigt, dass es nur kleine Dinge benötigt um ein gemeinschaftliches Gefühl entstehen zu lassen, den Bewohner*innen des Heimes einen schönen Tag zu gestalten und den Kindern ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.
An unserem freien Abend waren wir in einer Flüchtlingsunterkunft mit unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten zum gemeinsamen Abendessen eingeladen. Circa 20 Freiwillige nahmen daran teil.
Alles in allem war es ein nettes Beisammensein. Die zunächst noch zurückhaltenden Bewohner*innen tauten mit der Zeit auf und erzählten, was sie momentan machen.
Auch von diesem Abend nehme ich viel Positives für mich mit.  LeonieStenger16

Nach dem Seminar hat sich an meiner Haltung gegenüber geflüchteten Menschen nichts geändert. Ganz im Gegenteil: Ich stehe dem Ganzen nur noch positiver gegenüber und weiß, dass es zwar kein einfacher Weg wird alle Geflüchteten in unsere Gesellschaft zu integrieren, aber, dass es mit ein wenig Engagement der Bürger*innen auf jeden Fall machbar ist! Ich sehe in den vielen Menschen, die in Deutschland Schutz suchen eine große Bereicherung für unsere Gesellschaft!

Ich finde es sehr gut, dass man durch das Seminar die Möglichkeit hatte sich mit dem Thema Flucht und Asyl auseinander zu setzen. Viele der Freiwilligen hatten vorher noch keinen Kontakt zu Geflüchteten und es hat ihrer Sichtweise sehr geholfen, dass sie jetzt eigene positive Erfahrungen den negativen Schlagzeilen in den Medien gegenübersetzen können.”

Leonie Stenger

 

 

Am 22. Juli wurde die Doku auf dem offenen Kanal Fulda ausgestrahlt. Das Video ist also auch in der Mediathek Hessen zu finden http://www.mediathek-hessen.de/medienview_14145_Antje-Sprin…

 

 

 

 

Es sind keine Kommentare erlaubt.